Anlagemodell, Target Volatilities

Artikelserie 3/4: Im freien Fall und doch attraktiv? Short Volatility-ETFs - Never catch a falling knife?

Warum kaufen Investoren ein Produkt, das derart ruinöse Kursverluste erlitten hat?

Der SVXY wurde Ende 2011 lanciert und erreichte den Höhepunkt seines verwalteten Kapitals kurz vor seinem Absturz: am 2.2.18 verfügte er über fast USD 1.9 Mrd, die am Ende des 5.2.2018 auf knapp USD 0.1 Mrd. zusammengeschmolzen waren (Datenquelle: ProShares Internetseite).

 

Grafik VIX 4

Grafik 4: Verwaltetes Vermögen und ausstehende Anteile von SVXY

 

Interessanterweise stiegen die ausstehenden Anteile kurz nach den heftigen Kursverlusten stark an. Offensichtlich haben einige Investoren massiv zugegriffen. Der Höhepunkt der ausstehenden Anteile wurde am 9.2.2018 erreicht. Seitdem hat sich deren Zahl bei knapp 70 Millionen stabilisiert. Warum sind Investoren hier eingestiegen? Die Antwort liegt in der Eigenschaft des VIX, immer wieder von Niveaus über 20 auf Werte darunter zurückzukehren („Mean Reversion“), siehe Grafik 2. Der langfristige Durchschnitt von Anfang 1990 bis Februar 2018 liegt bei 19.4, der Durchschnitt in den letzten Jahren seit 2013 liegt deutlich niedriger bei 14.4. Immer wieder aufflammende Angst drückt sich in einem steigenden VIX aus. Sobald sich die Lage beruhigt, folgt die Rückkehr zur Normalität und der VIX sinkt wieder.
Nach dem blitzartigen Anstieg des VIX Anfang Februar auf einen Wert von 37 ist die Wahrscheinlichkeit, dass der VIX eine weitere starke Zunahme verbucht (z.B. um weitere +50% auf 55.5), geringer als eine deutliche Abnahme (z.B. um 50% auf 18.5). Aus Tabelle 2 lässt sich z.B. erkennen, dass der VIX an 293 Tagen im Zeitraum von Januar 1990 bis Januar 2018 bzw. in 4.1% aller Fälle über 35 notierte bzw. in ca. 96% aller Fälle darunter. Es ist daher wahrscheinlich, dass er wieder unter 35 zurückfällt.

 

VIX Schwelle 10 15 20 25 30 35 40 45 50 55 60 65 70 75 80 85
Tage > Schwelle 7019 4653 2653 1241 582 293 168 89 56 41 27 18 6 3 2 0
Tage > Schwelle 99.0 % 65.7 % 37.4 % 17.5 % 8.2 % 4.1 % 2.4 % 1.3 % 0.8 % 0.6 % 0.4 % 0.3 % 0.1 % 0.0 % 0.0 % 0.0 %

 

Tabelle 2: Anteil der Tage, an denen der VIX über verschiedenden Schwellenwerten lag (Januar 1990 bis Januar 2018; insgesamt 7087 Tage)

 

Tabelle 3 zeigt die Anzahl der Tage seit 1990, an denen der VIX um verschiedene prozentuale Beträge zugelegt hat. So ist er z.B. an 79 Tagen um 20% oder mehr geklettert. Dies entspricht 1.1% aller täglichen Bewegungen. Um 70% oder mehr hat er nur an einem Tag zugelegt, und zwar am 5.2.2018 um 116%.

 

proz Veränderung VIX% > X% 10 % 20 % 30 % 40 % 50 % 60 % 70 % 80 % 90 % 100 % 110 % 120 %
Tage > X% 420 79 31 13 5 2 1 1 1 1 1 0
%Tage > X% 5.9 % 1.1 % 0.4 % 0.2 % 0.1 % 0.0 % 0.0 % 0.0 % 0.0 % 0.0 % 0.0 % 0.0 %

 

Tabelle 3: Anzahl der Tage mit Zunahme des VIX um verschiedene Schwellenwerte von Januar 1990 bis Januar 2018

 

Damit kommen wir auch dem Grund näher, warum Investoren gleich nach den verheerenden Kursverlusten der Short Volatility-Produkte erneut zugriffen: Die Kombination aus der Wette auf fallende Volatilität, dem VIX in Gipfelnähe und der „Mean Reversion“-Eigenschaft des VIX transformiert das ungünstige asymmetrische Risikoprofil des SVXY bei einem VIX unweit seiner historischen Tiefpunkte in ein günstiges asymmetrisches Risikoprofil. Das Zeitfenster für das günstige Risikoprofil ist jedoch extrem kurz (bestenfalls wenige Tage) und nur risikofreudige Experten werden so schnell reagieren können.

 

Teil 1: Ereignisse im Februar 2018
Teil 2: Risikoprofil
Teil 4: Fazit

 

Der Artikel von Dr. Claus Huber erschien in der Zeitschrift "Risiko Manager", 04/2018.

 

Bild: © istock by Getty Images

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